Erfolgreiche deutsche Komponisten im Ausland

Schaut man sich die deutsche Musikszene an, so bemerkt man schnell, dass der Großteil der deutschen Komponisten auch in ihrem Heimatland tätig ist. Anders als ehemals Händel, der in Italien wirkte und dort auf die Höhe seines Schaffens gelangte, arbeiten deutsche Komponisten fast ausschließlich in Deutschland. Das ist einerseits nicht überraschend, da die deutsche Musiklandschaft so reichhaltig ist und auf bedeutende Traditionen zurückgreifen kann. Warum also ein musik-historisch so grundlegendes Terrain verlassen? Neben den vielen Daheimgebliebenen gibt es allerdings auch einige Ausnahmen, von denen im folgenden Artikel drei vorgestellt werden sollen: Stefan Pohlit arbeitet in der Türkei, Arne Gieshof in London und Benjamin Schweitzer schließlich in Finnland.

Stefan Pohlit und die moderne türkische Musikszene

Der Komponist Stefan Pohlit verbrachte viele Jahre seines Lebens im Nahen Osten und fühlte sich dem Reisen und dem Erkunden neuer Kulturen stets verbunden. Er studierte Komposition bei Wittinger, Müller-Siemens, Brandmüller und Rihm und nahm zunächst eine Lehrtätigkeit in Karlsruhe auf. Im Jahre 2008 ging er schließlich in die türkische Hauptstadt Ankara, um dort am Konservatorium zu lehren. Ein Hauptschwerpunkt seiner Lehre ist die Betonung der lokalen Musikströmungen, die sich zwar mit westlichen Elementen vermischen, sich von diesen aber nicht verdrängen lassen sollten. Es ist Pohlits erklärtes Ziel, die lokalen Klänge zu fördern, sie gleichzeitig aber auch zu modernisieren. Die Kultur des Westens und die des Ostens sind für ihn gleichwertig und das soll auch in seiner Musik zum Ausdruck kommen. Kulturelle Prozesse, die sich Pohlits Meinung nach auch immer im musikalischen Erbe eines Landes widerspiegeln, sollen sichtbar gemacht werden.

Arne Gieshoff und musikalische Herausforderungen in London

Der noch sehr junge Pianist und Komponist Arne Gieshoff wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Er siegte mehrfach im Bundeswettbewerb “Komposition” der Jeunesses Musicales und erhielt für sein Orchesterwerk “Der Denker” den Andreas Werckmeister-Förderpreis. Außerdem gewann er den ersten Preis im Bundeswettbewerb “Jugend Musiziert” am Klavier im Jahre 2005. Studiert hat er bei renommierten Komponisten wie Fischer-Münster, Brandmüller und Redel. Später zog es ihn auch nach England zu Hesketh, wo er bis heute erfolgreich tätig ist. Traditionellerweise ist gerade England kein typisches Ziel für aufstrebende Komponisten, da sich das Land bislang wenig in Sachen Komposition hervorgetan hat, das international von Rang und Namen ist. Durch das englische Königshaus wurden in den vergangenen Jahrhunderten zwar ausgiebig die bildenden Künste gefördert, die Musik wurde hingegen eher stiefmütterlich behandelt. Musiker werden in der Regel deutlich schlechter bezahlt als hierzulande, weshalb der Beruf des Komponisten in diesem Land weniger angesehen ist. Selbst Größen wie Benjamin Britten konnten daran bislang wenig ändern. Arne Grieshoff hat sich dies aber nun zu seinem erklärten Ziel gemacht.

Benjamin Schweitzer und die aufblühende finnische Musikszene

Zuletzt sei noch Benjamin Schweitzer erwähnt, der in Dresden und Lübeck bei Krätzschmar und Herchet studierte und lange Zeit Dirigent an dem von ihm gegründeten Ensemble Courage war. Er übersetzt heute finnische Opernlibretti und hat sich intensiv mit der finnischen Kultur und Sprache beschäftigt. Sein Anliegen ist es, die für ihn so wichtige und facettenreiche finnische Musikszene in Deutschland bekannter zu machen.

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